Schariwari

Am 23.September 2011 spielte bei uns die Band Schariwari in der Aula.

Pressestimme:

So klingt der Altweibersommer
Ein nicht ganz perfekter Abend zum Träumen: Die Alt-Folkrocker von Schariwari in Roßtal


Wer beim Stichwort „Schariwari“ in der Roßtaler Mittelschulaula unwissentlich an eine Radio-DJ-Veranstaltung dachte, die aus Platzgründen notgedrungen in eine dörfliche Lehranstalt verlegt wurde, wurde am Freitagabend eines Besseren belehrt. Und angenehm überrascht. Denn seit mehr als drei Dekaden stehen Schariwari mit den beiden Gründungsmitgliedern Günther Lohmeier und Hans Reupold für soliden, bajuwarischen Folk-Rock aus dem beschaulichen Kirchseeon nahe München.

Mittlerweile etwas in die Jahre gekommen und wirklich nur um ein paar graue Haare reicher, kreieren die ewigen Weltverbesserer im Kuschelmodus besonders mit ihren Balladen wie „Die Zeit ist reif“ oder Bluesrocknummern wie „Irgendwo ist immer Krieg“ eine heimelige Altweibersommerromantik. Unterstützung erfahren sie dabei von der gemütlichen Atmosphäre im hölzernen Halbrund der Aula und von den vielen gedämpften Lichtquellen an der Decke. Hinzu kommt ein überraschend glasklarer, voluminöser Sound.
Ein perfekter Abend zum Träumen und zum Entschleunigen, der jedoch leicht übersehen lässt, dass den anspruchsvollen, zugleich aber aalglatten und braven Singer/Songwriter-Stücken in bayerischer Mundart jene Bissigkeit abhanden gekommen ist, die es bräuchte, um am Establishment zu rütteln.
Gitarrist und Sänger Hans Reupold versucht es trotzdem: „Wir haben unsere damalige Single ,Leckt’s mich am Arsch’ an den Bayerischen Rundfunk geschickt, der sie aufgrund des Refrains nicht gespielt hat. Und deshalb spielen wir’s jetzt live.“ Manchmal muss die Rebellion halt ganz unten beginnen.
Dass Schariwari, die sich 1995 neu gegründet haben, letztendlich Könner ihres Fachs sind, beweist das von ihnen geschriebene Musical „Bayerische Rauhnacht“, mit dem sie in den Wintermonaten zehn Jahre lang erfolgreich (auch im Ausland) tourten und das ihnen 2004 den Deutschen Rock & Pop Preis einbrachte. Die Roßtaler „Rauhnacht“-Reminiszenz ist der düstere „Pappa“ mit einem klasse Solo von Gitarrist Günther Lohmeier. Auf diese Weise bringen die Kirchseeoner ein Stück Mystik und Mythologie in die fränkischen Lande, die die Band nach eigenen Aussagen übrigens gerne bereist, „net nur wegen de Werscht“.
Bei Lou Reeds unverwüstlichem Klassiker „Walk on the Wild Side“, der selbstredend bei Schariwari in bayerischer Übersetzung daher kommt, gelingt der kultur- und genreübergreifende Spagat, die Stimmung in der gut gefüllten Aula ist perfekt. Ein vielleicht zu anschmiegsames Konzert, das leider gänzlich ohne Ecken und Kanten auskommt.
ANDI DOLLINGER